Jede zwölfte Person in Deutschland hat ein geschlossen rechtsextremes Weltbild, fast jeder Dritte teilt völkische Ansichten. Das ist das Ergebnis der Studie "Die distanzierte Mitte" unter Leitung von Andreas Zick, Professor für Sozialisation und Konfliktforschung an der Universität Bielefeld.
„Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rechtextremismus und politische Gewalt greifen ineinander“, sagte Andreas Zick, Professor für Sozialisation und Konfliktforschung an der Universität Bielefeld, bei seinem Vortrag im Bruchsaler Rathaus.
Regelmäßig werden anhand von repräsentativen Befragungen rechtsextremistische und demokratiefeindliche Einstellungen in Deutschland ermittelt.
„Die humane und demokratische Qualität einer Gesellschaft wird daran gemessen, wie sie Minderheiten behandelt“, sagte Zick. Und erklärte: „In unserer Gesellschaft hat sich historisch ein Konfliktmodell gebildet mit einem Konsens, der in der Mitte ausgehandelt werden muss“ - nämlich auf der Grundlage von Artikel 1 des Grundgesetzes: „In einer Demokratie sollte die Würde und Gleichheit aller an erster Stelle stehen.“
Allerdings gingen Teile der Mitte dazu jetzt auf Distanz. „Das basiert auf Normalisierungen des Rechtsradikalen und menschenfeindlicher Scheinheiligkeit“, so Zick. Die Mitte werde zunehmend instabil.
In der Gesellschaft werde das als Gefährdung der Demokratie und mit wachsender Unzufriedenheit wahrgenommen. „In den Kommunen ist die Zufriedenheit immer noch hoch, aber sobald wir auf Bundesebene gehen, sinkt die Zufriedenheit weg“, erläuterte Zick.
Die Forschungsergebnisse bringen dabei paradoxe Entwicklungen ans Licht: „Je stärker die Gefährdung der Demokratie wahrgenommen wird, desto stärker wird die antidemokratische Orientierung.“ Dabei hätten die Forschenden bei der Auswertung auch die Antworten im Graubereich – „teils-teils“ – beachtet. Zick: „Man muss fähig sein, Rassismus abzulehnen und eindeutig ‚Nein‘ zu sagen zu Aussagen wie `Es gibt wertvolles und unwertes Leben‘ oder ‚Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert‘.“ Ein Vorurteil ziehe andere schnell nach sich. „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rechtextremismus, politische Gewalt greifen ineinander und treiben sich gegenseitig an.“
Dagegen müsse man aktiv vorgehen, „Die Wochen gegen Rassismus sind ein wichtiger Beitrag“, sagte Zick. Sein Vorschlag ist zudem eine „Charta der würdevollen Räume“ für Bruchsal als erneute Verabredung über Artikel 1 des Grundgesetzes.