„Es ist deshalb heute unsere Aufgabe zu gedenken und zu mahnen: Krieg soll nicht sein.“ Die „Narben unserer Stadt“ seien noch immer erkennbar, so Pönnighaus, „in den Seelen der Zeitzeugen ebenso wie im Stadtbild.“
Das Gedenkkonzert begann um 14 Uhr und damit zur Tageszeit des Angriffs vor 80 Jahren, der um 13.54 Uhr begann und 40 Minuten dauerte. Heute wie damals war es ein frühlingshafter Tag. An der Orgel nahm Barbara Ludwig den Zwiespalt des Moments auf mit den dunklen, klagenden Klängen der Élégie op.38 von Flor Peeters.
„900 Spreng- und 50.000 Stabbrandbomben fielen auf die Stadt. Rund 1.000 Menschen fanden den Tod. Das alte Bruchsal war weitgehend ausgelöscht“, erinnerte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick in ihrer Ansprache. „Heute kennen die meisten zwar die Fotografien der zerbombten Stadt, die Trümmerwüste, die stehengebliebenen ausgebrannten Mauern ohne Dach, aber sie verbinden damit kein eigenes Erleben.“ Die Erinnerung an den Schrecken von damals müsse dennoch unbedingt wachgehalten werden, sagte Petzold-Schick. „Frieden ist keine Selbstverständlichkeit.“
Auch die Lutherkirche wurde 1945 zu großen Teilen zerstört. Stehen geblieben ist die Wand mit dem Bild vom auferstandenen Jesus, das nicht zu übersehen ist, wenn man die Kirche betritt. Ebenso der Turm und der Luftschutzkeller darunter. Das Gebäude war 1945 gerade erst neun Jahre alt. „In dem Luftschutzkeller unter uns fanden damals viele Menschen Zuflucht“, so Pfarrer Pönnighaus. In seiner bisher kurzen Zeit als Pfarrer in Bruchsal habe er schon zahlreiche Gespräche geführt mit Zeitzeug/-innen und Hinterbliebenen.
Bewegend für viele Besucher der Gedenkveranstaltung waren offensichtlich dann auch die Beiträge der Posaunenchöre Heidelsheim/Bruchsal – mit mehreren Jugendlichen im Ensemble – unter der Leitung von Dietrich Krüger: Es wurde applaudiert, was anlassbedingt nicht üblich ist.
Mit der Motette „Jesu meine Freude“ von Johann Sebastian Bach nahm der Kammerchor Bruchsal unter der Leitung von Sebastian Hübner den roten Faden des Konzerts auf. Es schloss mit der Liedzeile: „Dennoch bleibst du auch im Leide, Jesu, meine Freude.“
Martina Schäufele